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Nachhaltige Topfgärten

Veröffentlicht am 16.09.2020

Ich vermute jeder hat sie: Topfpflanzen vor der Haustür, auf dem Balkon und auf der Terasse. Damit immer alles hübsch und einladend aussieht pflanzt man zu jeder Jahreszeit neue, passende Blumen, die häufig nach kurzer Lebensdauer bestenfalls auf dem Kompost landen. Es ist so schade!

Blumen wegwerfen kommt in der Rangfolge meiner Meinung nach gleich nach Essen wegwerfen. Die hübschen Balkonblumen wurden mit viel Aufwand ausgesät, drei bis fünf mal umgetopft, haben unmengen an Gießwasser verbraucht - und wir werfen sie nach ein paar Wochen - spätestens zum Saisonwechsel weg.

Da gibt es nachhaltigere Alternativen:

entweder zieht man sich einjährige Sommerblumen selbst heran - wobei man bei dieser Variante ein halbes Jahr Blumenlos ist - oder man pflanzt einen richtigen Topfgarten! Mit Blumenzwiebeln und Stauden - damit hat man eine dauerhafte, schöne Topfbepflanzung zu jeder Jahreszeit, die noch dazu 2 bis 3 Jahre so belassen werden kann!

Bevor wir pflanzen, noch zur Theorie: Was sind Stauden?

Stauden sind mehrjährige, winterharte, krautige Gewächse, die im Winter einziehen - das heißt, die oberirdischen Pflanzenteile sterben bei den ersten Frösten ab und werden braun - was bei manchen Fruchtständen äußerst dekorativ aussehen kann. Die Staude speichert ihre Energie im Wurzelballen und treibt, je nach Art, ab März/April  langsam wieder aus. Zu dieser Zeit schneidet man die alten Pflanzenteile eine Hand breit über dem Boden ab. Vor dem Winter sollte man das nicht machen, da es den Stauden natürlichen Frostschutz bietet und viele Insekten im Winter Unterschlupf finden. Von Jahr zu Jahr werden die Pflanzen buschiger und größer. Wenn sie in der Mitte verkahlen oder schlecht blühen, werden sie ausgegraben und mit dem Spaten geteilt. Wenn man sie also im Topf pflanzt - wie wir es vorhaben - werden sie irgendwann zu groß und müssen geteilt werden. Entweder man pflanzt sie im Garten an verschiedenen Stellen wieder ein oder wenn man keinen hat, kann man sie auch verschenken oder neue Töpfe damit bepflanzen.

Jetzt zur Anleitung für einen langlebigen, pflegeleichten Topfgarten:

Das Pflanzgefäß wie im Bild beschrieben füllen. Dabei gilt: je größer und tiefer der Topf, desto länger hält die Bepflanzung.

1. Über das Abzugsloch kommt eine Tonscherbe, damit es nicht verstopft.

2. Danach füllt man eine 5 bis 10 cm hohe Drainageschicht (je nach Topfgröße) ein. Entweder aus Kies > speichert kein Wasser und ist eher für Nord/Ost-Lage geeignet. Oder aus Blähton > speichert Wasser und ist für Süd/West-Lage geeignet.

3. Diese Schicht wird mit einem wasserdurchlässigen Vlies abgedeckt, damit es keine Erde nach unten durchschwämmt. So etwas bekommt man in jedem Gartencenter oder auch online. Wichtig: es MUSS wasserdurchlässig sein!

4. Jetzt kommt Pflanzerde in den Topf - aber nur zu 3/4 - denn jetzt kommt unsere Frühjahrsbepflanzung in Form von Blumenzwiebeln in den Topf: Tulpen, Narzissen, Krokus... was einem gefällt. Wichtig: immer mit der Spitze nach oben in die Erde setzen und nur doppelt so tief wie die Zwiebel hoch ist. Also größere Zwiebeln tiefer und kleinere Zwiebeln weiter nach oben setzen.

5. Es wird bepflanzt! Sucht euch Stauden aus die den Standortbedingungen entsprechen. Also Farn auf der Südseite wird nix! Rudbeckia auf der Nordseite auch nicht. Diese Angaben findet ihr meistens auf dem Topf der Staude oder ihr fragt nach. Es kann sein, dass ihr mit den Blumenzwiebeln etwas jonglieren müsst, wegen dem Wurzelballen und der Pflanztiefe, aber das ist ein lösbares Problem.

6. Vergesst eure Stauden nicht zu tauchen, dann wachsen sie besser an. Dazu nimmt man einen Eimer Wasser und taucht die Töpfe so lange unter Wasser bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.

7. Ein weiterer wichtiger Punkt im Allgemeinen ist die Sonnenbrandgefahr. Pflanzen aus dem Gewächshaus haben in der Regel noch nie pure, ungefilterte Sonne gesehen und können wirklich Sonnenbrand bekommen, wenn sie von 0 auf 100 ins Freie wandern. Stellt neu gekaufte Pflanzen im allgemeinen erst mal einen Tag im Schatten auf, danach einen Tag im Halbschatten und dann erst in die volle Sonne. Das bringt wirklich was!

8. Jetzt werden die Lücken um die Stauden und Zwiebeln mit Erde aufgefüllt und gut angedrückt. Dabei bleiben zum Topfrand ein paar Zentimeter Abstand. Das ist der Gießrand, damit beim Wässern der Topf nicht gleich überläuft und sich der Schlamm auf der Terasse verteilt...

9. Zum Schluss wird gut angegossen - so füllen sich die letzten Zwischenräume mit Erde und die Staude kann gut einwurzeln.

Ab jetzt hat man fast keine Arbeit mehr! Im Frühling blühen die Zwiebelblumen, diese werden dann von den austreibenden Stauden abgelöst und die braun gewordenen Blätter von Tulpen usw. können entfernt werden. Nach den ersten Frösten stirbt das Laub der Stauden ab. Als schöne Deko im Spätherbst kann man jetzt buntes Laub und Kürbisse dazu legen und im Dezember zur Weihnachtszeit zeige ich euch einen tollen Basteltipp, der Winterschutz bietet und hübsch aussieht.

Viel Spaß beim Pflanzen!